Weinjahr 2015
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Das steirische Weinjahr 2015

Nach zwei kleinen Ernten und dem Rekordtief vom letzten Jahr mit knapp unter 200.000 Hektoliter hofften die steirischen Weinbauern 2015 auf eine qualitativ, aber auch quantitativ gute Ernte. Die Natur hat zumindest die Mindererträge des letzten Jahres in qualitativer Sicht ausgleichen.

Laut endgültigem Ernteergebnis der Statistik Austria fiel die steirische Weinernte mit 214.000 Hektoliter um 8% größer als 2014 aus, jedoch konnte der Produktionsschnitt der letzten fünf Jahre nicht erreicht werden.

Auf einen milden Winter folgte ein zeitiges Frühjahr mit frühem Blütebeginn. Der heiße Sommer, der zumindest in der Steiermark einigermaßen ausreichend Niederschläge mit sich brachte beschleunigte die Entwicklung der Trauben, sodass in der Steiermark die Lese frühzeitig einsetzte. Im Großen und Ganzen hat es der Wettergott mit den steirischen Weinbauern auch gut gemeint quantitativ hätten sich die Weingüter mehr erhofft. Die vielen Sonnenstunden schafften die Voraussetzung für ausgezeichnete Qualitäten.

 

Der Witterungsverlauf im Detail

Die Reben konnten heuer nach einem milden Winter mit ausreichender Winterfeuchte ins Frühjahr starten. Bereits Mitte April erfolgte der Austrieb gefolgt von einer kühleren Wetterperiode Anfang Mai, die das Wachstum allerdings etwas bremste. Ausgestattet durch ausreichende Niederschläge über Pfingsten erreichten die Temperaturen erstmals über 30°C. Die Folge war eine kurze aber intensive Rebblüte ab Anfang Juni. Mit einem kontinuierlichen Temperaturanstieg und den ersten Tropentagen bis Mitte Juni setzte sich die Witterung fort.

Nach einer kühleren Phase gegen Ende Juni war dauerhaft Hochsommer angesagt. Trockenheit war in der Steiermark wegen ausreichender Gewitterregen kein großes Thema. So wurde auch die lange andauernde Hitzeperioden mit Temperaturen weit jenseits der 30°C-Marke von den Reben einigermaßen gut überstanden. Die Entwicklung der Reben schritt dabei immer zügig voran.

Bevor die Reben doch noch Trockenstress erleiden konnten, erreichten uns Mitte August abermals die ersehnten Niederschläge. Weingärten auf trockenen Standorten, die zu diesem Zeitpunkt bereits etwas unter eingeschränktem Wachstum litten, erhielten einen Wachstumsschub und die Reifeentwicklung setzte rasant ein.

Ebenso ab Mitte August, genau zu Beginn der Reifephase, konnten für die Reben angenehmere, etwas niedrigere Nachttemperaturen beobachtet werden. Diese sind für die Entwicklung der Fruchtaromen besonders positiv. Die Folge war eine sehr gute Aromabildung, die perfekt für die alle Rebsorten war.

Bei der Lese freuten sich die Weinbauern jedenfalls über absolut gesunde Trauben, hohe Reifegrade mit ausgewogener Säure. Mit dem Jahrgang 2015 konnten die Steirer einen ausgezeichneten, vollreifen Weinjahrgang, welcher, sofern von den Weinbauern gewünscht, mit etwas höheren Alkoholgehalten ausgestattet ist, aber immer eine ausgewogene Säure besitzt, keltern.

Wie schmeckt der Jahrgang 2015?

Der Jahrgang 2015 ist ein Jahrgang der den tüchtigen Weinbauern belohnt. Entscheidend für den Erfolg war die fachlich richtigen Arbeitsschritte zum richtigen Zeitpunkt im Weingarten zu setzen. Es galt besonders auf die aktuelle Wettersituation Rücksicht zu nehmen. Die extreme Sonneneinstrahlung förderte die Gefahr von Sonnenbrand auf den Trauben. Dabei galt es die laubarbeiten so zu gestalten, dass die Trauben im Halbschatten heranreifen konnten.

Besondere Bedeutung kam dabei der selektiven und optimal terminierten Lese zu. Beim Steirischen Wein des Jahrganges 2015 stehen reife Aromen im Vordergrund. Das äußert sich besonders in Form von harmonischer Säure, intensive bis komplexe Fruchtaromen und etwas höheren Alkoholgehalten in den Weinen. Ein Jahrgang der den Konsumenten des Steirischen Weines noch viel Freude bereiten wird.

Der 2015er ist immer ein Wein mit physiologisch reifer Phenolstruktur und mitunter spürbar höheren Alkoholwerten die trotzdem gut eingebunden und nicht vordergründig erscheinen. Die Säurewerte sind immer harmonisch, da vor allem reifes Traubenmaterial eine stabile Säurestruktur besitzt welche mit Mineralstoffen auch sehr gut abgepuffert ist. Die Weine präsentieren sich gehaltvoll und ausgewogen, weisen sehr früh schon Zugänglichkeit und Harmonie auf und bieten stichhaltige Argumente für Entwicklungspotenzial und Langlebigkeit!

 

Die Besonderheiten der wichtigsten Rebsorten beim 2015er?

Welschriesling:

Gehaltvolle Weine mit Anleihen von gelber Apfelfrucht, reife Zitrusnoten und lebendig würziger Säurestruktur. Seltener sind heuer schlanke frische Vertreter zu finden.

Sauvignon blanc:

Ausdrucksstark und konträr zu 2014. Auf der fruchtbetonten Seite überwiegend reife Cassis- und Stachelbeerfrucht, teilweise exotische Noten. Auch höhere Alkoholgehalte sind gut und harmonisch eingebunden. Engmaschige „Gaumenweine“ die mit jedem Tag an Ausdruck und Charakter gewinnen! Viel Spannung am Gaumen mit bewusst starkem Säurerückgrat.

Weißburgunder:

Ein Profiteur des Jahrganges, da durch die entsprechende Reife (17,5 – 18° KMW) wenig vordergründige Primärfrucht zu spüren ist, sondern schöne teilweise kreidig weiche, reife Burgunder mit sehr feiner Tanninstruktur und milder Säure am Gaumen!

Schilcher:

Durch die anhaltente Hitze bis Mitte September haben sich die Aromen vor allem beim Schilcher etwas geändert. Waren sie im letzten Jahr primärfruchtig, so präsentiert sich der Jahrgang 2015 in Summe im Duft etwas dezenter dafür aber mit eher reiferen Beerentönen wie Erdbeere, Himbeere aber auch Waldbeeren.

Morillon:

Wie auch der Weißburgunder sehr reife, würzige Weine! Auffällige Zurücknahme von vordergründigen Sekundäraromen die von einem biologischen Säureabbau oder vom Ausbau im Holzfass stammen. Dafür ebenfalls reife bis exotische Fruchtnoten. Variantenreich von Fruchtbetont klassisch bis hin zu mineralisch würzigen Weinen die Zeit und Entwicklung benötigen!

Gelber Muskateller:

Viele frische Zitrus-Aromen sind eher die Ausnahme. Dafür konnten die Weinbauern aus den hochreifen Muskatellertrauben feinwürzigen Kräuter- und Gewürznoten die an Traminer erinnern keltern. Sie sind am Gaumen lang anhaltend und geschmackvoll. Aus der Sicht der Traubenreife sicher der Gewinner des Jahrgangs!

 

Ing. Werner Luttenberger

 

 

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